TOBIASUND DER NACHTMAHR
Das Buch zum Spiel

Das Buch zu Kapitel 1

Die ganze Geschichte von „Tobias und der Nachtmahr“ zum Vorlesen: zwölf Kapitel, ein Kapitel pro Abend. Alle Bilder stammen direkt aus dem Spiel.

Annabell und Tobias auf der Traumwiese, über ihnen schwebt Lumi, am Mond lauert der Nachtmahr
Schrift:

Wer kommt vor?

TobiasDer Held mit der Kappe
AnnabellDie kleine Schwester
FabianDer große Bruder
NiklasDer kleine Bruder
Die DrillingeDie drei Kleinsten
LumiDas Traumlicht
Der NachtmahrStiehlt die Träume der Kinder
???Wer das ist, erfahrt ihr im Albtraumwald.

Inhalt

  1. 1Der Spieletag
  2. 2Schatten am Fenster
  3. 3Das Traumlicht
  4. 4Wollis Weide
  5. 5Über den Wolken
  6. 6Annabells Sterne
  7. 7Der vergessene Freund
  8. 8Die Schattenfestung
  9. 9Freunde
  10. 10Pfannkuchen und ein Geheimnis
  11. Die Geschichte geht weiter
  12. 11Nachtis Träume
  13. 12Die Containerschule
Kapitel 1

Der Spieletag

Es war Abend, und es war kein gewöhnlicher Abend. Heute war Tobias' Spieletag: der eine Tag in der Woche, an dem er Computerspiele spielen durfte.

Tobias saß auf der Bettkante, die rote Kappe mit dem weißen Stern auf dem Kopf, und spielte. Draußen ging die Sonne unter und färbte das Fenster orange. An der Wand hing sein Lieblingsposter mit einem großen blauen Stern, und daneben das Familienfoto: Fabian, der große Bruder. Tobias. Niklas, der kleine Bruder. Annabell, die kleine Schwester. Und ganz vorne die Drillinge, die drei Kleinsten.

Plötzlich stand Annabell im Zimmer, in ihrem rosa Nachthemd, die braunen Locken ganz zerzaust. Sie sah nicht müde aus. Sie sah traurig aus.

„Tobi?“, flüsterte sie. „Ich kann nicht schlafen …“

Kinderzimmer am Abend: Tobias sitzt auf dem Bett, Annabell steht im Zimmer, an der Wand hängen das Familienfoto und ein Poster mit einem blauen Stern

„Annabell? Was ist denn los, Kleine?“

„Ich träume nicht mehr“, sagte sie leise. „Schon seit Wochen nicht. In der Nacht ist alles nur … schwarz.“

Tobias legte das Handy zur Seite. Nicht mehr träumen. Das klang, als hätte jemand in Annabells Kopf das Licht ausgeknipst.

„Hey“, sagte er. „Ich bin doch da. Ich pass auf dich auf, versprochen.“

Annabell schaute ihn mit großen Augen an. „Großes Ehrenwort?“

Ein großes Ehrenwort war das Wichtigste, was man sich versprechen konnte. Das brach man nicht. Niemals.

„Großes Ehrenwort“, sagte Tobias. „Und jetzt ab ins Bett, du Zwerg!“

Da lächelte Annabell. Nur ein bisschen, aber sie lächelte. Dann huschte sie hinaus.

Kapitel 2

Schatten am Fenster

Später war es dunkel im Zimmer. Am Fenster stand eine schmale Mondsichel, und nur das Handy leuchtete noch. Tobias saß wieder auf der Bettkante.

„Nur noch ein einziges Level“, murmelte er. „Dann schlaf ich. Ehrlich!“

Nachts: Tobias sitzt mit dem Handy auf dem Bett, am Fenster steht die Mondsichel

Er spielte noch ein bisschen. Dann gähnte er so laut, dass es durchs ganze Zimmer schallte. „Uaaah … Na gut. Nur ganz kurz die Augen zumachen …“

Und schon schlief er.

✦ ✦ ✦

Mitten in der Nacht flackerte das Zimmer. Hell, dunkel, hell, dunkel. Im Fenster war plötzlich kein Mond mehr, sondern ein lila Wirbel, der sich immer schneller drehte. Dann hörte Tobias eine Stimme.

„Toooobiaaas …“

„Hä?! Wer ist da?“ Mit einem Ruck saß Tobias im Bett.

Das Fenster sprang auf. Drei Schattenwesen glitten herein, schwarz wie Tinte, mit spitzen Ohren, roten Augen und kleinen, scharfen Zähnen.

„Der Nachtmahr will dich“, zischte das erste. „Du bist der Junge mit den stärksten Träumen!“

„Deine Schwester war nur der Anfang“, kicherte das zweite.

Da wurde Tobias ganz heiß im Bauch. Annabell, die nicht mehr träumen konnte! Die Schatten wussten davon.

„Was habt ihr mit Annabell gemacht?“, schrie er. „Lasst mich los!“

Aber die Schatten packten ihn mit ihren dunklen Krallen und zogen.

Das Fenster leuchtet lila, drei Schattenwesen mit roten Augen packen Tobias im Bett

Das Bett, das Zimmer, das Fenster: Alles drehte sich, und dann war da nur noch ein riesiger, bunter Strudel. Tobias wirbelte durch Ringe aus Rot und Grün und Blau und Lila, und die Schatten kreisten um ihn herum.

WAAAAAH!

Ein bunter Strudel aus Farbringen, Tobias wirbelt in der Mitte, Schattenwesen kreisen um ihn

Er drehte sich und drehte sich, bis er nicht mehr wusste, wo oben und unten war.

Und dann fiel er.

Kapitel 3

Das Traumlicht

Welt 1 · Die Traumwiese

Plumps! Tobias landete mitten auf einer Wiese.

„Aua“, sagte er und rieb sich den Kopf. „Wo bin ich denn hier?“

Der Himmel war hellblau und rosa. Die Erde war lila, das Gras grün, und die Bäume sahen aus wie runde Lutscher mit rosa Blüten. Am Himmel hing ein großer Mond. Und von rechts schwebte ein kleines Licht heran: rund und gelb, mit blonden Löckchen, zwei durchsichtigen Flügeln und einem fröhlichen Gesicht.

„Hallo Tobias!“, rief das Licht. „Ich bin Lumi, ein Traumlicht. Willkommen in der Traumwelt!“

Tobias ist auf der Traumwiese gelandet, Lumi schwebt auf ihn zu

Dann wurde Lumi ernst. „Der Nachtmahr stiehlt die Träume der Kinder. Ohne Träume werden sie traurig und müde, so wie deine Schwester.“

„Aber Annabell hat ihm doch gar nichts getan!“

„Er sperrt die gestohlenen Träume in vier Traumkristalle“, erklärte Lumi. „Seine Generäle bewachen sie, in vier verschiedenen Welten. Hol die Kristalle zurück! Jeder Kristall macht dich stärker und ihn schwächer. Dann kannst du ihn in seiner Festung besiegen.“

Fünf Inseln lagen hintereinander in der Traumwelt, verbunden durch einen langen Weg: die Traumwiese, das Wolkenland, die Kristallhöhle, der Albtraumwald und ganz am Ende die Schattenfestung. In jeder Welt warteten mehrere Abenteuer und am Ende ein Wächter. Und über jeder Welt leuchtete ein geheimnisvoller Bonusstern.

Die Weltkarte aus dem Spiel: die Traumwiese, das Wolkenland, die Kristallhöhle, der Albtraumwald und die Schattenfestung, dahinter Nachtis Träume und die Vorschau auf Teil 2
Die Karte der Traumwelt. Zum Ansehen zur Seite wischen.

„Und pass gut auf“, sagte Lumi. „Viele Wesen hier sehen süß aus. Aber in Wahrheit sind sie böse Traumwesen!“

Tobias schaute zu einem flauschigen Wolkenschaf, das über die Wiese trottete. Wolkenschafe, erzählte Lumi, zählen nachts selbst Schafe, um einschlafen zu können. Nur kommen sie nie über sieben.

„Hier auf der Wiese ist ein Schwert versteckt“, sagte Lumi. „Damit kannst du die bösen Wesen entlarven. Komm, ich zeig dir den Weg!“

„Alles klar“, sagte Tobias. „Für Annabell. Los geht's!“

So begann das erste Abenteuer: Erwachen auf der Wiese. Tobias lernte laufen und springen, viel höher, als er es im echten Leben je geschafft hätte. Er sprang Gegnern auf den Kopf und sammelte goldene Sterne, die in der Luft hingen. Hinter einem Schild, auf dem „Psst … hier ist etwas versteckt“ stand, fand er seinen ersten Traumsplitter. In jedem Abenteuer waren drei davon versteckt.

Und dann fand er es: das Traumschwert.

„Du hast das Traumschwert gefunden!“, jubelte Lumi. „Wenn du ein süßes Traumwesen damit triffst, zeigt es sein wahres, böses Gesicht.“

„Endlich!“, rief Tobias und sprang mit dem Schwert in die Luft. „Jetzt wird hier aufgeräumt!“

Erwachen auf der Wiese: Tobias springt mit dem Traumschwert über die Wiese, Sterne schweben in der Luft, Wolkenschafe laufen herum
Kapitel 4

Wollis Weide

Welt 1 · Die Traumwiese

Auf dem Blumenhügel hüpften Pilze. „Siehst du die Pilze?“, rief Lumi. „Spring auf sie drauf, dann schleudern sie dich hoch in die Luft!“

Tobias sprang, und schon flog er hinauf bis zu den Sternen.

Er fand einen Schlüssel für eine verschlossene Tür und entdeckte, dass unsichtbare Blöcke Schätze verstecken. Auf dem Wolkenpfad schlug er auf Schalter, damit sich Tore öffneten. Er rannte über rissige Wolken, die unter seinen Füßen zerbrachen, und lernte die blauen und roten Blöcke kennen: Die blauen waren fest, die roten nur Umrisse, und ein Schalter tauschte die beiden.

Der Wolkenpfad: Tobias springt mit dem Schwert an blauen Blöcken vorbei, daneben die roten Umrisse, die ein Schalter fest macht

Am Ende der Traumwiese stand ein Holzschild: Hier beginnt Wollis Weide. Mäh.

„Hier wohnt Wolli“, flüsterte Lumi. „Er sieht ganz harmlos aus. Aber er bewacht den ersten Traumkristall!“

Wolli war ein Schaf. Ein großes, weißes, flauschiges Schaf mit einem rosa Gesicht.

Wollis Weide: Tobias steht direkt vor Wolli, einem großen weißen Schaf

„Mäh!“, blökte Wolli. „Du stehst auf meiner Weide, Menschenkind!“

„Ein Schaf?“, fragte Tobias. „Vor einem Schaf soll ich Angst haben?“

MÄÄÄÄÄÄH!

Wolli senkte den Kopf und stürmte los. „Spring ihm auf den Kopf!“, rief Lumi. „Oder schlag zu, wenn er gegen die Wand rennt!“

Tobias sprang zur Seite. Wolli donnerte gegen die Wand und war einen Moment lang ganz benommen. Schnell schlug Tobias zu. Da wurde Wolli richtig wütend.

„Grrr … Mäh! Jetzt reicht's mir! Jetzt zeig ich dir, was ich wirklich bin!“

Seine weiße Wolle wurde dunkel und lila, auf seinem Rücken wuchsen Stacheln, und zwei Wolkenschafe kamen ihm zu Hilfe. Aber Tobias blieb ruhig. Ausweichen. Warten. Zuschlagen. So lange, bis Wolli aufgab.

„Mäh … Du hast gewonnen, Menschenkind“, seufzte Wolli. „Nimm den Kristall.“

Später erzählte Lumi, dass Wolli nur ein einziges Mal nicht gezählt werden wollte. Und jetzt war er eben riesig.

Über der Wiese schwebte ein mintgrüner Kristall. „Der erste Traumkristall!“, flüsterte Lumi. „Spürst du das? Da drin ist ein Traum gefangen.“

Es war ein Traum vom Fliegen: Ein kleines Mädchen schwebte über bunte Felder.

Der erste Traumkristall, mintgrün, schwebt über der Wiese, darüber fliegt ein kleines Mädchen zwischen Wolken

„Jetzt ist er frei“, sagte Lumi. „Und du bist einen Schritt näher an Annabell.“

Dann schenkte der Kristall Tobias eine neue Traumkraft. „Das ist der Feuerball“, erklärte Lumi. „Damit kannst du auch Fackeln anzünden und Eis schmelzen.“

„Feuer!“, rief Tobias. „Das wird dem Nachtmahr gar nicht gefallen.“

Bonusstern · Pilzhüpfer-Parcours

Wer alle Traumsplitter einer Welt findet, für den leuchtet auf der Karte der Bonusstern. Tobias hatte sie gefunden! Im Pilzhüpfer-Parcours sprang er von Riesenpilz zu Riesenpilz, bis ganz am Ende ein Schild auftauchte: Ein Käfig! Besiege den Wächter, dann öffnet sich das Tor.

Vor einem goldenen Käfig stand ein dicker Käfigwächter, und Tobias stellte sich ihm mutig in den Weg.

Tobias kämpft gegen den Käfigwächter, rechts daneben steht ein goldener Käfig

Tobias besiegte den Wächter. Das Tor sprang auf, und aus dem Käfig kam jemand mit blonden Locken.

„Tobi! Endlich!“, rief er. „Der dicke Wächter hat mich hier eingesperrt. Und ich sollte für ihn Schafe zählen!“

„Niklas?“, staunte Tobias. „Was machst du denn in der Traumwelt?“

„Keine Ahnung. Aber schau mal, was ich hier kann!“

Niklas, der kleine Bruder, konnte sich in Tiere verwandeln: in einen Wolf, einen Falken, einen Bären, ein Nashorn und einen Phönix. Für jede Waffe, die Tobias fand, bekam Niklas eine neue Tiergestalt. Von jetzt an war er mit dabei.

Über die Käfigwächter erzählte Lumi noch etwas Seltsames: Sie bewachen die Kinder nur, weil der Nachtmahr es befohlen hat. Heimlich bringen sie ihnen Kekse.

Kapitel 5

Über den Wolken

Welt 2 · Das Wolkenland

„Das Wolkenland!“, rief Lumi. „Fall bloß nicht runter! Und ich spüre, dass hier irgendwo eine neue Waffe auf dich wartet.“

Hoch über einem Regenbogen liefen Tobias und Lumi über die Wolken. Und tatsächlich: Bald hielt Tobias einen goldenen Stern in der Hand.

„Der Sternen-Bumerang!“, jubelte Lumi. „Wirf ihn, dann fliegt er los und kommt wieder zurück. Perfekt für Schalter und Sterne, die weit weg sind!“

„Super!“, rief Tobias. „Jetzt kann ich auch aus der Ferne kämpfen!“

Über den Wolken: Tobias springt mit dem Sternen-Bumerang über Wolken, im Hintergrund ein Regenbogen

Den Bumerang brauchte er gleich: Ein Schalter war ringsum von Stacheln umgeben. „Zu Fuß kommst du da nicht hin“, sagte Lumi, „aber dein Bumerang schon. Wirf ihn!“

Im Sturmwind schob ihn der Wind mal nach vorne und mal zurück. Auf dem Regenbogenturm ging es nur nach oben, mit Sprungfedern und Farbblöcken. Und überall flatterten Sturmspatzen um ihn herum, klein und laut und fest davon überzeugt, dass der Wind ihnen gehört.

Ganz oben, im Nest des Sturmvogels, wartete der zweite General: Kräh, ein großer blauer Vogel mit einem orangen Schnabel.

„Kraaah!“, kreischte Kräh. „Niemand fliegt höher als ich! Niemand!“

„Ich flieg ja gar nicht“, sagte Tobias. „Ich werfe.“

Im Nest des Sturmvogels: Kräh, ein großer blauer Vogel mit orangem Schnabel, fliegt oben, Tobias steht mit dem Bumerang auf den Wolken

„Triff ihn mit dem Bumerang!“, rief Lumi. „Oder wenn er herabstößt, mit dem Schwert oder mit einem Sprung auf seinen Rücken!“

Kräh kreiste über ihm und stieß dann herab wie ein Pfeil. Tobias warf, traf und wich aus. Kräh schüttelte sein Gefieder.

„Kraaah! Du hast meine Federn zerzaust! Jetzt spürst du den Sturm!“

Aber auch der Sturm half Kräh nicht. Am Ende konnte er nicht mehr.

„Krah … Ich kann nicht mehr fliegen“, keuchte er. „Der Kristall gehört dir.“

Kräh, verriet Lumi später, sammelt glänzende Dinge und Schlüssel zu Zimmern, die er nie betritt.

„Der zweite Kristall!“, rief Lumi. Er war hellblau, und darin war ein Traum von einem Baumhaus hoch über den Wolken. Ein Junge saß darin, zusammen mit seinem Hund.

Doch dann erschien am Himmel ein Bild, durchsichtig und flackernd: der Nachtmahr, mit Hörnern und einer goldenen Krone.

„Zwei Kristalle …“, dröhnte er. „Du bist hartnäckig, Junge. Genau wie er damals.“

Der zweite Kristall, hellblau, schwebt über den Wolken, rechts schimmert durchsichtig der Nachtmahr am Himmel

„Wer ist er?“, fragte Tobias.

„Später, Tobias“, sagte Lumi leise. „Später.“

Der Kristall schenkte Tobias die nächste Traumkraft: Frost. „Damit frieren Gegner zu Eisblöcken“, erklärte Lumi. „Und du kannst sogar auf ihnen stehen.“

„Eiskalt“, grinste Tobias. „Und zwar wortwörtlich.“

Bonusstern · Wolkenrennen

Im Wolkenrennen war fast alles rissig, und Tobias durfte nie lange stehen bleiben. Am Ende wartete wieder ein Käfig mit einem Wächter. Darin saß Fabian, der große Bruder.

„Na endlich“, sagte Fabian. „Ich hab dem Wächter dreimal erklärt, dass Käfige in Träumen nichts bringen. Hat nicht geholfen.“

„Fabian! Du bist auch hier?“

„Ich hab mir ein paar Zauber ausgedacht. Willst du sie sehen?“

Fabian kämpfte mit Zauberwaffen: mit der Funkenklinge, dem Sternenlasso, dem Erdstoß, dem Donnerschlag und dem Lichtstrahl. Jetzt waren sie schon zu dritt.

Und wer ganz hoch hinauswollte, fand im Wolkenland noch den Sprungfeder-Turm, einen Traumturm, in dem es immer nur nach oben ging.

Kapitel 6

Annabells Sterne

Welt 3 · Die Kristallhöhle

„Puh, ist das dunkel hier“, sagte Lumi. „Ich leuchte dir, so gut ich kann. Mit deinem Feuerball kannst du die Fackeln anzünden!“

Die Glitzergrotte war so finster, dass nur Lumis Licht einen kleinen Kreis erhellte. Tobias warf einen Feuerball, und die erste Fackel flammte auf.

Die Glitzergrotte: In der dunklen Höhle wirft Tobias einen Feuerball, Lumi leuchtet neben ihm

Eisblöcke schmolzen, wenn er Feuer darauf warf, und überall glitzerten türkise Kristalle.

In den Eisigen Tiefen war der Boden glatt wie eine Eisbahn. „Und ich spüre … einen Hammer!“, rief Lumi. Mit dem Kristallhammer sprang Tobias hoch, schlug in der Luft zu und krachte auf den Boden, sodass rissige Platten zerbrachen. Über einen Abgrund kam er nur, weil er eine Fledermaus mit Frost einfror und sich auf sie stellte.

Im Kristalllabyrinth hatten die Traumwesen Rätsel gebaut. Tobias schob Kisten auf Druckplatten, damit die Tore offen blieben. „Hm, zwei Truhen?“, sagte Lumi einmal. „Eine davon sieht irgendwie … hungrig aus.“ Und an einer Wand stand:

RätselErst die Sonne, dann der Mond, dann der Stern.

Sonne. Mond. Stern. Das Tor ging auf, und dahinter lag Golems Halle.

„Der Kristallgolem!“, rief Lumi. „Seine Panzerung ist zu hart. Aber mit Frost legst du seinen Kern frei, und dein Hammerschlag macht ihn benommen!“

„Du. Klein. Ich. Hart“, grollte der Golem.

„Und ich hab einen Hammer“, sagte Tobias. „Und Frost. Und keine Zeit.“

Golems Halle: Tobias schlägt mit dem Kristallhammer auf den Kristallgolem aus blaugrauem Stein

Der Golem holte mit seiner riesigen Faust aus. Tobias wich aus, ließ Frost regnen, bis der Kern zum Vorschein kam, und schlug mit dem Hammer zu.

„Kern. Heiß. Du. Kaputt“, brummte der Golem.

Aber Tobias ging nicht kaputt. Immer wieder: Frost, Sprung, Hammer. So lange, bis der Golem aufgab.

„Du. Stark“, murmelte er. „Ich. Schlafen.“

Der Golem, so stand es später in Tobias' Traum-Album, schläft seit tausend Jahren. Tobias hatte ihn geweckt, und darüber war er gar nicht begeistert.

Der dritte Kristall war eisblau. Darin funkelte ein Traum voller Sterne: Ein Mädchen mit braunen Locken und einem rosa Nachthemd zählte mit seinem großen Bruder die Sterne.

Der dritte Kristall, eisblau, schwebt in der dunklen Höhle unter vielen Sternen, daneben Tobias und Lumi

Tobias' Mund klappte auf. „Rosa Nachthemd … Locken … Das ist ja Annabells Traum!“

„Dann ist sie jetzt frei, Tobias“, sagte Lumi. „Du hast dein Versprechen gehalten.“

„Noch nicht ganz“, sagte Tobias. „Erst, wenn der Nachtmahr besiegt ist.“

Lumi leuchtete ganz warm. „Dein Herz ist stark. Nimm den Schild-Zauber. Er schützt dich ein paar Sekunden lang vor allem Bösen und wirft Geschosse zurück.“

Bonusstern · Die Frostkammer

„Brrr, ein Bonuslevel im Eis!“, rief Lumi. „Feuer schmilzt, Frost friert, der Hammer bricht. Du brauchst alles, was du kannst.“ In der Frostkammer rutschte Tobias über Glatteis und schob Kisten auf Platten. Und hinter dem Käfigwächter wartete jemand, mit dem er hier am allerwenigsten gerechnet hätte.

„Tobi!“, rief Annabell. „Ich hab von dir geträumt, und plötzlich war ich hier!“

„Annabell! Geht es dir gut? Hat er dir wehgetan?“

„Nein. Meine Tierfreunde haben auf mich aufgepasst: Hoppel, Piep, Fips, Borsti und Lumi-Lu!“

Annabell konnte wieder träumen, und in ihrem Traum war sie zu Tobias gekommen. Ihre Tierfreunde kämpften für sie, genauso stark wie Tobias' Waffen.

Kapitel 7

Der vergessene Freund

Welt 4 · Der Albtraumwald

„Der Albtraumwald“, flüsterte Lumi. „Hier lauern die Diener des Nachtmahrs. Die Schildritter wehren alles von vorne ab, also greif sie von hinten an!“

Über dem Wald hing ein roter Mond. Kahle Bäume streckten ihre Äste aus, und auf dem Nebelpfad lauerten Schattenschützen und Schildritter.

Der Nebelpfad: dunkler Wald unter einem roten Mond, Tobias kämpft gegen einen Schattenschützen

Die Zinnschützen zielten zwar immer genau, trafen aber trotzdem selten. Auf der Hexenlichtung tauchten Schattenmagier mal hier und mal dort auf. „Aber ich spüre hier auch eine uralte, mächtige Waffe“, sagte Lumi.

„Wow!“, rief sie kurz darauf. „Die berühmte Donneraxt! Sie ist dreimal so stark wie das Schwert und zertrümmert sogar Mauern!“

„Boah, ist die stark!“, staunte Tobias. „Nachtmahr, ich komme!“

In den Wurzeln der Finsternis hatten die Schatten alles verschlossen. Das große Rätsel des Waldes lautete:

RätselFeuer vor Blatt, Blatt vor Mond, Mond vor Sonne.

Feuer. Blatt. Mond. Sonne. Dann stand Tobias vor Grimm, dem Hauptmann der Schattenritter.

„Endlich“, knurrte Grimm. „Der Junge, der meine Soldaten verprügelt hat.“

„Deine Soldaten waren Plüschtiere mit Reißzähnen“, sagte Tobias.

„Ich bin aber kein Plüschtier, Junge. Ich bin der Schatten, der dich holt.“

Unter dem roten Mond: Tobias springt mit der Donneraxt, Grimm steht in dunkler Rüstung

„Er wehrt alles von vorne ab!“, rief Lumi. „Weich seinem Hieb aus und triff ihn danach, oder von hinten!“

Grimm war schnell. Bevor er lossprintete, erschien über ihm ein Ausrufezeichen, und Tobias wusste: Jetzt kommt er! Er hielt die Axt bereit, traf ihn mitten im Lauf, und Grimm blieb stehen. Abgewehrt!

„Nicht schlecht“, knurrte Grimm. „Dann eben ohne Rücksicht!“

Aber am Ende war auch Grimm besiegt. Und dann sagte er etwas, das Tobias nicht mehr losließ:

„Der Meister … er war nicht immer so. Er war einmal … jemandes Freund. Du wirst es sehen. Im letzten Kristall.“

„Der letzte Kristall“, sagte Lumi leise. „Ab jetzt kennt der Nachtmahr keine Gnade mehr.“

Doch in diesem Kristall war kein Kindertraum. Es war eine Erinnerung: ein Junge und sein unsichtbarer Freund, ein kleines Schattenwesen namens Nachti. Jede Nacht spielten die beiden zusammen.

Der vierte Kristall, lila, schwebt im Albtraumwald unter dem roten Mond, daneben Tobias und Lumi

Bis der Junge groß wurde. Und Nachti vergaß.

Tobias stand ganz still. „Der Nachtmahr war mal jemandes bester Freund?“

„Vergessen zu werden ist der schlimmste Albtraum von allen“, sagte Lumi. „Und daraus ist er geworden.“

„Dann weiß ich jetzt, was ich tun muss“, sagte Tobias.

Lumi gab ihm die letzte Traumkraft. „Nimm den Blitz. Das ist die stärkste Traumkraft. Er trifft alle Gegner auf einmal und lädt Blitzableiter auf.“ Dann sagte sie leise: „Und jetzt … auf zur Schattenfestung.“

Bonusstern · Schalterspuk

Im Schalterspuk wurde Blau zu Rot und Rot zu Blau, und das alles über spitzen Stacheln. Im Käfig dahinter saßen drei ganz kleine Kinder mit Lockenköpfen und kicherten.

„Die Drillinge?“, rief Tobias. „Wer sperrt denn Babys ein?“

Die Drillinge schenkten Tobias einen Zauber: den Ruf der Drillinge. Einmal in jedem Abenteuer stürmen sie los und räumen alles weg, was böse ist.

Kapitel 8

Die Schattenfestung

Welt 5 · Die Schattenfestung

Vor ihnen ragten dunkle Türme in den Nachthimmel, und ein Tor glühte geheimnisvoll lila.

„Da ist sie“, sagte Lumi. „Die Schattenfestung. Hier drin wartet er.“

Vor der Schattenfestung: dunkle Türme, ein leuchtendes Tor, Tobias und Lumi stehen davor

„Annabell wartet auch“, sagte Tobias. „Und alle anderen Kinder.“

„Tobias … egal, was da drin passiert: Du bist nicht allein.“

„Ich weiß. Gehen wir.“

„Jetzt gibt es kein Zurück mehr“, sagte Lumi. „Zeig ihnen, was du gelernt hast!“ Auf der Zugbrücke warteten Lava, Kanonen und alle Diener des Nachtmahrs auf einmal.

Die Zugbrücke: Tobias läuft mit der Lichtklinge an Lava und Dienern des Nachtmahrs vorbei

Ein Tor ging erst auf, als Tobias einen Blitzableiter mit seinem Blitz-Zauber auflud. Dann kam der Aufstieg zum Thronsaal, durch den Turm des Nachtmahrs. „Ganz oben wartet er“, sagte Lumi. „Aber vorher kommt jede Prüfung, die du bestanden hast, noch einmal!“

RätselStern, dann Feuer, dann Mond.

Und dann geschah etwas Wunderbares. „Schau!“, rief Lumi. „Die vier Kristalle haben sich vereint, zur Lichtklinge! Sie gehört dir, Tobias. Sie ist schnell und stark, und sie schießt Lichtwellen. Mit ihr kannst du den Nachtmahr besiegen.“

Tobias hob die Klinge. „Für Annabell. Für alle Kinder. Und für Nachti.“

Bonusstern · Lavalauf

„Das letzte Bonuslevel!“, rief Lumi. „Hier brennen Flammenschatten, aber Frost löscht sie.“ Im letzten Käfig flackerte ein Kind, das man kaum sehen konnte: mal war es da, mal war es weg.

„Hallo?“, fragte Tobias. „Bist du etwa … unsichtbar?“

Es war ein Traumkind, das Verstecken spielte. Es schenkte Tobias den Zauber Unsichtbar: Drei Sekunden lang sieht ihn kein Gegner, und nichts kann ihm wehtun.

✦ ✦ ✦

„Das ist es, Tobias“, sagte Lumi. „Hinter dieser Halle wartet der Nachtmahr.“

An der Wand hing ein Schild: Thronsaal des Nachtmahrs. Bist du bereit?

„Hahaha!“, dröhnte eine Stimme, und der Nachtmahr schwebte herab. „Der Junge mit der Kappe! Vier Kristalle hast du mir genommen. Aber mich besiegst du nicht!“

Im Thronsaal: Der Nachtmahr mit Hörnern und Krone schwebt oben, Tobias greift mit der Lichtklinge an

Tobias schaute zu ihm hinauf. „Ich weiß, wer du bist … Nachti.“

„Nenn mich nicht so!“, brüllte der Nachtmahr. „Dieser Name ist vergessen!“

„Pass auf, Tobias!“, rief Lumi.

Es war der schwerste Kampf von allen. Doch Tobias gab nicht auf, und irgendwann taumelte der Nachtmahr.

„Genug!“, donnerte er. „Jetzt siehst du meine wahre Gestalt: den Albtraum selbst!“

„Seine Krone!“, rief Lumi. „Triff die Krone, wenn er sich nach unten beugt!“

Der Albtraum war riesig: ein gewaltiger Kopf mit Hörnern, einer goldenen Krone und einem Maul voller Zähne. Links und rechts davon gab es schmale Simse, von denen aus Tobias die Krone erreichen konnte. Aber der Albtraum war stark, und Tobias wurde müde.

Da leuchtete es plötzlich neben ihm, rosa und warm.

„Tobias! Ich bin bei dir!“

„Annabell? Wie kommst du denn hierher?“

„Ich träume von dir!“, sagte Annabell. „Und in meinem Traum bist du nie allein.“

Und sie war nicht die Einzige. „Ich bin auch da, Tobias! Zeig's ihm!“, rief Niklas. „Mit unserer Familie legt sich keiner an. Keiner!“, sagte Fabian. Und die Drillinge kicherten so fröhlich, dass der Nachtmahr auf einmal ganz klein wirkte.

Die wahre Gestalt des Nachtmahrs, ein riesiger Kopf mit Krone und Zähnen. Neben Tobias schweben die Traumgeister seiner Familie: Annabell, Niklas, Fabian und die Drillinge

„Traumgeister!“, rief Lumi. „Eure ganze Familie gibt dir Kraft. Weiter!“

Annabell warf Tobias Herzen zu, wenn er müde wurde. Und als die Krone wieder verwundbar war, rief sie: „Jetzt, Tobi! Die Krone!“

„Zusammen, Tobias!“

„Zusammen.“

Und dann wurde alles weiß.

Kapitel 9

Freunde

Als das Weiß verblasste, stand der Nachtmahr vor Tobias und wankte.

„Warum?“, keuchte er. „Warum machst du mich nicht fertig? Na los, mach schon!“

Der besiegte Nachtmahr steht vor Tobias und Lumi

„Nein“, sagte Tobias und legte die Lichtklinge weg.

„Ich weiß, was mit dir passiert ist. Jemand hat dich vergessen. Und das war nicht fair. Aber ich vergesse dich nicht. Niemand sollte vergessen werden.“

Lange war es still. Dann fragte der Nachtmahr ganz leise: „Du … erinnerst dich an mich? An Nachti?“

Und auf einmal stand kein Nachtmahr mehr vor Tobias. Da saß ein kleines, rundes Schattenwesen mit spitzen Ohren und großen, gelben Augen. Es sagte kein Wort.

Tobias kniete sich hin. „Nachti. Ich bin Tobias. Wollen wir Freunde sein?“

„… Freunde“, flüsterte Nachti.

Aus dem Nachtmahr ist wieder der kleine Nachti geworden, er sitzt lächelnd vor Tobias

Da stiegen überall goldene Lichter auf, hinauf in den Nachthimmel.

„Die Träume!“, rief Lumi. „Sie kehren zu allen Kindern zurück! Schau nur!“

Goldene Lichter steigen von überall in den Nachthimmel, Tobias, Lumi und Nachti schauen zu

Dann schwebte Lumi zu Tobias. „Es ist Zeit, aufzuwachen, Tobias. Danke. Für alles.“

„Sehen wir uns wieder?“

„Jede Nacht, wenn du willst“, sagte Lumi. „Dafür sind Träume doch da.“

Kapitel 10

Pfannkuchen und ein Geheimnis

Am Morgen schien die Sonne ins Zimmer. Tobias schlief noch tief und fest, als der Wecker losging.

RIIIIIIING!

Morgens im Kinderzimmer: Tobias schläft noch, der Wecker klingelt

„Waaah! Der Nachtmahr!“, rief Tobias und fuhr hoch. „Hä? Das ist ja mein Zimmer!“

Da war das Poster, da war das Familienfoto, da war der Wecker auf dem Nachttisch. Und da kam auch schon Annabell hereingestürmt.

„Tobi! Tobi! Ich hab geträumt!“

„Echt? Wovon denn?“

„Von Sternen! Von ganz vielen Sternen! Und von dir, mit einem riesigen Schwert, und du hast ein Monster besiegt!“

Tobias lachte. „Klingt nach einem ziemlich guten Traum.“

„Frühstück, ihr zwei!“, rief Mama aus der Küche.

„Komm, Tobi!“, rief Annabell. „Es gibt Pfannkuchen!“

„Ich komme!“ Tobias stand auf. Dann stutzte er. „Nanu? Was liegt denn da auf dem Nachttisch?“

Neben dem Wecker lag ein kleiner lila Kristall. Er glühte ganz leise, als würde er schlafen. Und wer genau hinschaute, sah, was Annabell im Arm hielt: einen kleinen, schlafenden Nachti.

Auf dem Nachttisch neben dem Wecker glüht ein kleiner lila Kristall, Annabell hält einen kleinen schlafenden Nachti im Arm

„Bis heute Nacht, Nachti“, flüsterte Tobias.

In der Küche dampften die Pfannkuchen.

„Guten Morgen, ihr zwei!“, sagte Mama. „Die Pfannkuchen werden sonst kalt!“

„Tobi“, sagte Annabell mit vollem Mund, „in meinem Traum war auch so ein Licht. Ganz klein und gelb, und es hat gekichert!“

„Ein kicherndes Licht?“, fragte Tobias. „Das klingt nach einer ziemlich guten Freundin.“

„Und das Monster war am Ende gar nicht mehr gruselig. Es war nur … einsam.“

„Manchmal braucht ein Monster einfach nur einen Freund“, sagte Tobias.

Annabell hörte auf zu kauen. „Tobi? Du leuchtest! Da, in deiner Hosentasche!“

In der Küche: Tobias und Annabell sitzen am Tisch mit Pfannkuchen, aus Tobias’ Hosentasche leuchtet es lila

Tobias legte den Finger auf die Lippen. „Psst. Das ist unser Geheimnis, Zwerg.“

Und so kam es, dass am Ende alle nebeneinanderstanden: Lumi, Fabian, Tobias, Annabell, Niklas, die Drillinge und ganz am Rand ein kleiner, glücklicher Nachti.

Der Abspann des Spiels: ENDE, darunter die Namen, unten stehen Lumi, Fabian, Tobias, Annabell, Niklas, die Drillinge und Nachti nebeneinander

Und weit weg, in der Traumwelt, lag Nachti auf einer Wolke unter einem Regenbogen und schlief. Lumi schwebte neben ihm.

Nachti schläft auf einer Wolke unter einem Regenbogen, Lumi schwebt daneben

„Psst“, flüsterte Lumi. „Er schläft. Zum ersten Mal seit hundert Jahren.“

„Und morgen Nacht? Da gibt es bestimmt wieder etwas zu tun …“

Fortsetzung folgt …?

Nach dem Abspann

Die Geschichte geht weiter!

Kapitel 11

Nachtis Träume

In der nächsten Nacht stand auf der Karte ein neuer Mond. Und als Tobias einschlief, wartete schon jemand auf ihn.

„Tobias! Du bist wieder da!“, rief Nachti. „Ich hab dir etwas gebaut: einen Traum nur für uns zwei.“

„Du kannst Träume bauen?“

„Ich war hundert Jahre lang der Nachtmahr. Ein bisschen was kann ich schon. Und pass auf: Ich werfe Schattenfunken auf alles, was dich ärgert!“

„Dann los, ihr zwei“, sagte Lumi. „Bis zum Ziel, und keine Angst vor Schatten!“

Nachti flog neben Tobias her und warf Funken auf die Gegner.

Nachtis Traum: Tobias springt mit der Lichtklinge über Wolken unter einem Regenbogen, Nachti fliegt neben ihm

An einer Stelle stand ein Schild: „Die hier kenn ich noch von früher“, sagt Nachti. „Keine Sorge, die sind nur neidisch.“

Kurz vor dem Ziel wurde Nachti ganz leise. „Da vorne ist das Ziel. Danke, Tobias. Für alles.“

„Bis morgen Nacht, Nachti“, sagte Tobias. „Großes Ehrenwort.“

✦ ✦ ✦

In der zweiten Nacht hatte Nachti einen neuen Trick. „Spring einfach. Und wenn du in der Luft bist, bau ich dir eine Schattenplattform unter die Füße.“

„Eine Brücke aus Schatten? Ist das sicher?“

„Für ein paar Sekunden schon. Dann muss ich kurz Luft holen. Also nicht trödeln!“

Über die Schattenbrücke ging es über Abgründe, die Tobias allein nie geschafft hätte. „Siehst du?“, sagte Nachti. „Schatten können auch tragen. Das hat mir damals keiner geglaubt.“

✦ ✦ ✦

In der dritten Nacht führte Nachti die beiden an einen Ort, an dem es sehr dunkel war.

„Meine alte Höhle“, sagte er leise. „Hier hab ich mich versteckt, als ich vergessen wurde.“

„Die Schalter hier machen Licht“, erklärte Lumi. „Manche Tore gehen nur auf, wenn es hell ist. Und manche Wesen mögen die Dunkelheit.“

„Dann machen wir hier mal ordentlich Licht“, sagte Tobias.

Die Lichterhöhle: dunkle Höhle, Tobias mit der Lichtklinge, Lumi leuchtet, Nachti fliegt mit

Und das taten sie. Schalter um Schalter wurde die Höhle heller.

„Hell ist eigentlich ganz schön“, sagte Nachti. „Danke, dass ihr mich hier rausgeholt habt.“

„Jederzeit“, sagte Tobias. „Jede Nacht.“

Seitdem begleitete Nachti Tobias auf jedem Abenteuer und stupste alle paar Sekunden einen Stern zu ihm hin.

Kapitel 12

Die Containerschule

Vorschau auf Teil 2

Montagmorgen. Vier Geschwister waren auf dem Weg zur Containerschule.

Montagmorgen: Fabian, Tobias, Niklas und Annabell laufen über die Straße zur Containerschule

„Beeilt euch!“, rief Fabian. „Wenn wir wieder zu spät kommen, bekommt Mama einen Zettel.“

„Ich hab heute Nacht von einem Drachen geträumt“, erzählte Niklas. „Von einem riesigen!“

„Pssst! Hört ihr das?“, flüsterte Annabell. „Da schreit jemand.“

„Das kommt aus der Schule!“, rief Tobias.

Kinder rannten aus dem Schulhaus. „Weg hier! Da drin sind Monster!“, schrie eines. „Schatten mit Augen!“, rief ein anderes. „Sie waren im Klassenzimmer!“

Kinder rennen schreiend aus der Schule, in den Fenstern und an der Tür lauern Schattenwesen

„Schatten mit Augen …“, sagte Tobias. „Die kenne ich. Aus meinem Traum.“

„Das sind die Nachtwesen“, sagte Fabian. „Aber wir sind doch wach. Das geht doch gar nicht.“

„Sie sind in der echten Welt“, sagte Annabell. „Wie kann das sein?“

„Jemand hat ihnen die Tür aufgemacht“, sagte Niklas.

Da schwebte Lumi heran. „Ihr habt recht. Jemand hat die Grenze zwischen Traum und Tag geöffnet. Ich weiß noch nicht, wer. Aber ich weiß, wer die Schule retten kann: ihr vier! Haltet still, das kitzelt ein bisschen …“

Ein helles Licht hüllte die vier ein. „Jetzt habt ihr eure Traumkräfte auch am Tag“, sagte Lumi. „Schwert, Zauber, alles. Nutzt sie gut!“

Lumi schwebt vor der Schule und gibt den vier Geschwistern ihre Traumkräfte, sie halten jetzt Waffen

„Niemand macht aus unserer Schule einen Albtraum“, rief Tobias. „Nichts wie rein!“

„Und bleibt zusammen“, sagte Fabian. „Der Drache aus Niklas' Traum ist bestimmt auch irgendwo.“

Durch drei Klassenzimmer voller Nachtwesen kämpften sie sich bis aufs Dach. Dort kreiste etwas Großes: der Nachtdrache.

„Rrraaah!“, brüllte er. „Vier Kinder auf meinem Dach. Wie niedlich.“

„Das ist unsere Schule“, rief Tobias. „Und du bist hier falsch. Es ist Tag!“

„Tag, Nacht … Die Türen stehen jetzt offen, Junge. Für uns alle.“

„Wenn er tief fliegt, ist er verwundbar“, rief Lumi. „Beim Feuerspeien oder beim Sturzflug. Dann drauf!“

„Ihr kratzt an meinen Schuppen?“, fauchte der Drache. „Dann brennt eure Schule eben!“ Feuer regnete vom Himmel. Aber die vier hielten zusammen, bis der Drache aufgab.

„Rrrr … Glück gehabt, Menschenkinder. Nichts als Glück.“

„Ich bin nur der Bote“, knurrte er. „Den, der den Nachtmahr einst verwandelt hat, kennt ihr noch gar nicht. Er öffnet die Türen zwischen Traum und Tag. Und ich sorge dafür, dass wir wiederkommen. Bald.“

„Dann warten wir eben“, sagte Tobias. „Gemeinsam.“

Mit einem letzten Brüllen flog der Drache davon und verschwand am Abendhimmel.

Abendhimmel über dem Schuldach: Der Nachtdrache fliegt davon, die vier Geschwister und Lumi schauen ihm nach

„Er ist weg“, sagte Annabell. „Haben wir gewonnen?“

„Für heute schon“, sagte Tobias.

„Wer hat den Nachtmahr damals verwandelt?“, fragte Fabian. „Davon wusste nicht einmal Lumi etwas.“

„Nein“, sagte Lumi. „Und das macht mir Sorgen. Jemand zieht die Fäden, im Traum und am Tag.“

„Dann soll er nur kommen“, sagte Niklas. „Wir haben gerade einen Drachen vom Schuldach verjagt!“

„Also … die Schule ist frei“, sagte Annabell. „Heißt das, dass morgen schulfrei ist?“

„Nein“, sagte Fabian. „Morgen ist Mathe-Schularbeit.“

„Was?“, rief Tobias. „Ich hab ja noch gar nicht gelernt!“

„Und ich hab meine Hausaufgabe nicht gemacht …“, murmelte Niklas.

„Ich muss noch lesen üben“, seufzte Annabell. „Vielleicht war der Drache heute doch nicht das Schlimmste.“

Fortsetzung folgt … in Teil 2.

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Die ganze Geschichte gibt es auch zum Selberspielen, mit allen Welten, Bossen und Geheimnissen.

Jetzt spielenZum Inhalt

Nach dem Spiel „Tobias und der Nachtmahr“ von Mario Maier. Alle Bilder stammen aus dem Spiel. Geschichte, Figuren und Welten: alle Rechte beim Urheber.